Please, send me a kiss   2020

Aquarell auf Papier

 

Der Kuss ist in der Kunst ein Motiv, welches immer wieder, mit unterschiedlichen Facetten, thematisiert wurde. Nun, mit Corona, hat die Geste des Kusses wieder eine neue Bedeutung erhalten.

 

Der Kuss ist der Moment der Nähe, Berührung und Intimität. Nun haben wir aber alle den Aufrag des Bundes, Distanz einzuhalten. Menschen zu küssen, welche nicht im selben Haushalt leben, ist Zurzeit unvorstellbar. Wenn man es trotzdem tut, hat man zumindest öffentliche Vorschriften missachtet. Entweder fühlt man sich danach, als hätte man etwas über die Stränge geschlagen, oder es kommt danach das Gefühl des Bedauerns und Bereuens, oder sogar der Angst auf, ab all dem Virenaustausch. Auf alle Fälle hat der Kuss als alltägliche oder intensive Handlung ihre Beiläufigkeit (oder Möglichkeit) verloren.

 

Plötzlich weg    2020

Eitempera auf Leinwand


Der Mensch stirbt und ab diesem Moment ist er weg. Das Empfinden darüber, dass ein Mensch einfach gegangen ist und nicht mehr zurückkehren wird, wird in irgendeiner Weise bleiben. Das Gefühl und Unverständnis des „plötzlich weg und entschwunden- Seins“ bleibt da, quasi in der Luft hängen. Auch wenn bereits Jahre seit dem Tod vergangen sind, wird dieses Wegsein nicht fassbar. Das Plötzlich hält an und wird zur Dauerhaftigkeit.
Ich versuche diesen Moment aufzuspüren der geschieht, wenn ein uns nahestehender Mensch stirbt. Diese Lücke ist nicht fassbar und ebenso unerklärlich. Aber als Zurückgebliebene versuche ich den zu begreifen.

Wir Zurückgebliebenen gedenken und erinnern uns. Wir bewahren Kleidungsstücke, Schmuck, Fotografien und Alltagsgegenstände auf, die vom verstorbenen Menschen getragen und benutzt wurden. Diese Andenken, teilweise versorgt  in Kisten und Säcken, werden in Schränken oder sogar Dachböden aufbewahrt. Auch wenn sie nicht durch den Alltag begleiten, ist man sich deren bewusst. Das macht einen Gewiss, dass man darauf zurückgreifen kann, wenn man die Lust dazu verspürt.

Ich sammle nun Erinnerungsstücke verstorbener Menschen, welche die Zurückgebliebenen aufbewahrt haben. Ich erhalte diese sehr persönlichen Objekte als Leihgabe und versuche, durch diese den Verstorbenen in gewisser Weise eine Präsenz zu verleihen. Diese Präsenz ist äusserst subtil und auch subjektiv. Sie trägt in sich die Geschichte der Verstorbenen Person und die der bewahrenden Person und deren Beziehung. Das Aufbewahren und Festhalten steht im eigentlichen Kontrast zum Entschwinden. Ich versuche das Flüchtige festzuhalten.

Was bleibt  2017 - 2019

Siebdruck und Malerei, mIxed Media

 

Am Ende der Arbeitstage im Atelier bleibt Farbe in der Palette übrig. Was geschieht damit?

Ich habe begonnen diese Farbe aufzubrauchen indem ich Bilder entstehen lasse, ohne mir dabei etwas vor-zunehmen. Frei von Vorhaben und Ideen, entsteht ein Anfügen und schichtweises Weiterarbeiten der Farben, von einem Ateliertag zum nächsten.

Streuen 2019

Gouache und Tusche auf Leinwand

 

Zabriskie Point 2018-2019

Gouache auf Leinwand

 

Zerbersten: Explosionen zerfetzen alte, innere Systeme und erzeugen Chaos. Ich gehe der Faszination des Moments nach der Explosion, nach der freigesetzten Wucht nach, wenn fliegende Partikel, die einst Kleidung, Nahrung, Mobiliar gewesen sind, sich nun als Masse im scheinbar unendlichen Raum ausbreiten. War der einzelne Gegenstand vor der Explosion in seiner alten Form durch seine Nutzung bereits belebt oder kommt erst durch die Zerstörung Leben in die neue Form? Ist das nun der endgültige Tod der Dinge? Oder ist es eine Befreiung vom Überfluss und Entstehung von Neuem? Im Film Zabriskie Point gelingt es Antonioni die BetrachterIn in eine scheinbar unendliche Welt eintauchen zu lassen. Bilder, die einer Verwüstung entsprechen, werden zu ästhetischen Metaphern der Verwandlung.

Streuen: Was geschieht mit den zerborstenen Dingen? Die Druckwelle trägt die Stücke davon und verteilt sie. Verwandeln sie sich? Was geschieht wenn sie am Boden absetzen? Haben die kleinen Teile, welche nun der Witterung ausgeliefert sind und sich somit in noch kleinere Teile verwandeln, eine samenähnliche Funktion? Oder werden sie als totes Material einfach liegen bleiben?

 

Justitia 2016-2017

Siebdruck und Malerei auf Karton

 

Justitia, Personifikation und Allegorie der Gerechtigkeit, soll entscheiden was gerecht ist und müsste dem zufolge allwissend sein.

Das im Vatikan (stanza della segnatura), als Gedankengöttin Justitia, von Raffael abgebildete Deckenfresko, entnahm ich als Motiv für die Siebdrucke. Justitia vertritt hier die vier Kardinalstugenden (Gerechtigkeit, Mässigung, Tapferkeit, Weisheit), die göttlichen Tugenden (Glaube, Hoffnung und Liebe) und das Gesetz.

Sie sitzt in einem Wolkengebilde, von Putten umgeben, und richtet mit ihrem Schwert. In ihrer wolkigen Umgebung, welche Bettdecken assoziiert und  in ihrer Funktion als Richterin, erinnert sie mich an Frau Holle. Auch diese thront in einem himmels-gleichen Ort und schaut auf die Welt herunter. Und auch sie ist Richterin und entscheidet, welche Marie mit Gold oder mit Pech überschüttet wird.

Wer in unserer Weltordnung ist Justitia? Ist sie weltlich oder geistlich? Wie äussert sich Gerechtigkeit in Bezug auf die Herkunft, das politische System und die wirtschaftliche Lage?

À la Plage

Gipsabguss, Acryl

 

Fleisch 2008 – 2016

Eitempera auf Leinwand

 

Das Interesse am menschlichen Körper und dessen Volumen hat mich dazu bewogen auch in den Körper zu schauen- weg von der gewohnten Oberfläche. Und darüber hinaus meine fleischliche Ernährung genauer zu betrachten.

Die Ambivalenz zwischen dem Ekel des rohen Fleisches einerseits und der Faszination der Farbigkeit andererseits, war was ich zu untersuchen begonnen habe. Nur schon die Berührung dieser kalten und klebrigen Stücke kostet immer wieder Überwindung- und dennoch ernähre ich mich zu einem Teil davon.

Im Spannungsfeld zwischen Ästhetik und Ekel stellt sich die Frage wo das Schaudern beginnt: Bei genauer Betrachtung, bei haptischer oder olfaktorischer Wahrnehmung,  oder in der Menge.

Ausbreitung  2008-2014

 Eitempera auf Karton/ Mixed Media/ Gips, Draht, Filz

 

Das Entgegengesetzte zur Schwere des Themas Fleisch ist die rhizomartige Ausbreitung der Pflanze. Mir ging es dabei aber nicht nur um die Ausbreitung von Stecklingen auf der Boden-oberfläche, sondern auch um den Flug der Samenkapsel, und den nährenden Boden. Die Thematik Ausbreitung ist eine Fortsetzung der Auseinander-setzung mit Arkadien. Arkadien, der Ort wo Milch und Honig fliesst und somit den Nährstoff für Wachstum überhaupt bildet.